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Wärmepumpe im Altbau: Sanierungswunder oder Kostenfalle?

  • Autorenbild: Joshua Oestreicher
    Joshua Oestreicher
  • 20. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit
Energieeffizienzexperte Raphael Oestreicher
Verfasser: Energieeffizienzexperte Raphael Oestreicher

Der Gebäudebereich ist einer der wichtigsten Hebel für echten Klimaschutz. In Deutschland stehen rund 20 Millionen Wohngebäude und ein großer Teil der CO₂‑Emissionen entsteht genau dort, vor allem durch Heizung und Warmwasser. Ein Blick in den Bestand zeigt schnell, warum das so ist: Mehr als zwei Drittel aller Häuser wurden vor 1990 gebaut, also zu einer Zeit, in der Energieeffizienz schlicht kein großes Thema war.

 

Während moderne Neubauten heute fast selbstverständlich mit klimafreundlicher Technik ausgestattet werden, steckt die eigentliche Herausforderung im Bestand. Rund 75 % der bestehenden Wohngebäude heizen noch immer mit Öl oder Gas und sorgen damit für hohe CO₂‑Emissionen. Für einen klimaneutralen Gebäudesektor müssen diese alten Systeme in den kommenden Jahren Schritt für Schritt durch zukunftsfähige Lösungen ersetzt werden, allen voran durch Wärmepumpen.

 

Dabei stellt sich für viele Besitzer die bange Frage: Funktioniert eine Wärmepumpe auch in meinem Altbau, oder fressen mich die Stromkosten auf? Diese Sorge ist verständlich. Gleichzeitig lohnt es sich, genauer hinzuschauen, denn die Realität ist oft deutlich besser als ihr Ruf.

 

Die gute Nachricht vorab: Es ist möglich

 

Lange hielt sich die Annahme, Wärmepumpen seien nur etwas für gedämmte Neubauten mit Fußbodenheizung. Doch die Realität sieht längst anders aus. Praxisprojekte und zahlreiche Feldstudien belegen eindeutig: Auch in unsanierten oder nur teilweise sanierten Altbauten können Wärmepumpen zuverlässig und effizient arbeiten. Entscheidend ist dabei nicht das Baujahr des Hauses, sondern die benötigte Vorlauftemperatur des bestehenden Heizsystems.

 

Die entscheidenden Bedingungen für Effizienz

Das Grundprinzip einer Wärmepumpe ist schnell erklärt: Sie nutzt vorhandene Umweltwärme und bringt sie auf ein Temperaturniveau, das für die Heizung geeignet ist. Dafür stehen verschiedene Wärmepumpenarten zur Verfügung, die sich vor allem darin unterscheiden, woher sie ihre Wärme beziehen.

Im Gebäudebestand kommt am häufigsten die Luft-Wärmepumpe zum Einsatz. Sie nutzt die Außenluft als Energiequelle. Eine Lösung, die technisch unkompliziert ist und sich ohne große Eingriffe nachrüsten lässt.

Im Neubau sieht das oft anders aus: Dort werden gerne Erdwärmepumpen installiert. Sie beziehen ihre Energie aus dem Erdreich, entweder über tiefere Bohrungen oder über Flächenkollektoren, die im Boden verlegt werden. Diese Systeme arbeiten sehr effizient, erfordern aber umfangreiche Erdarbeiten.

Genau das macht sie im Altbau meist unpraktisch. Tiefe Bohrungen oder großflächige Aushubarbeiten sind auf bestehenden Grundstücken oft schwer umsetzbar oder schlicht zu aufwendig. Deshalb entscheiden sich viele Eigentümer im Bestand für die Luftwärmepumpe, eine technisch ausgereifte, flexible und wirtschaftlich sinnvolle Lösung.

 

Damit eine Wärmepumpe wirtschaftlich arbeitet, sollte sie aus einer Einheit Strom möglichst viel Umweltwärme gewinnen. Das gelingt am besten, wenn der Temperaturunterschied zwischen der Außenluft (oder dem Boden) und dem Heizwasser gering ist. Die Effizienz und Wirtschaftlichkeit wird also maßgeblich durch die sogenannte Vorlauftemperatur des Heizungssystems bestimmt. Bei klassischen Öl- und Gasheizungen sind Vorlauftemperaturen von 70 °C und mehr völlig normal. Wärmepumpen arbeiten dagegen am effizientesten, wenn sie deutlich niedrigere Temperaturen bereitstellen müssen, in der Regel werden maximal etwa 55 °C empfohlen.

 

Der Weg zur Effizienz: Was Sie tun können

Wenn Ihr Altbau aktuell noch 70 °C Vorlauf benötigt, ist die Wärmepumpe nicht ausgeschlossen, aber sie braucht Vorbereitung. Folgende Schritte machen den sinnvollen Einsatz der Wärmepumpe möglich:

 

  • Heizkörpercheck:

Während im Neubau standardmäßig eine Flächenheizung (Fussbodenheizung, …) eingesetzt wird, welche zur Absenkung der Vorlauftemperaturen führt, sind in Bestandsgebäude häufig klassische Heizkörper zu finden. Häufig kann durch eine gezielte Analyse und Austausch einzelner Heizkörper jedoch eine sinnvolle Basis für geringere Vorlauftemperaturen und damit einer Wärmepumpe geschaffen werden. Hierzu sollte eine Heizlastberechnung nach Norm und ein anschließender Heizkörpercheck durchgeführt werden. Oft sind nur einzelne Heizkörper in bestimmten Räumen zu klein dimensioniert. Diese können gezielt gegen moderne Niedertemperatur-Heizkörper ausgetauscht werden. Große Plattenheizkörper (Typ 22 oder 33) reichen oft aus, um mit niedrigen Temperaturen genügend Wärme abzugeben.

 

  • Hydraulischer Abgleich

Ein hydraulischer Abgleich ist eine wichtige Optimierungsmaßnahme des Heizungssystems und wird auch häufig als Pflicht im Falle einer Förderung durch die KfW benötigt. Hierfür wird auf Basis der Heizlastberechnung und der Heizkörper berechnet, welcher Volumenstrom an Wasser jeder einzelne Heizkörper benötigt. Über eine Einstellung der Ventile der Heizkörper wird sichergestellt, dass jeder Heizkörper genau die Menge an Wasser erhält, die er benötigt.

 

  • Dämmung der Gebäudehülle

Für den Einsatz der Wärmepumpe wird kein vollgedämmtes Effizienzhaus benötigt. Bevor eine vollflächige Fassadendämmung durchgeführt wird, hilft es häufig an gezielten Stellen den Dämmstandard durch kostengünstige Maßnahmen zu erhöhen. Hierzu gehören zum Beispiel die Dämmung der Kellerdecke oder der obersten Geschossdecken dazu. Auch kleine Details, wie ein gedämmter Rollladenkasten, Dämmung der Heizkörpernischen oder eine Abdichtung von Fenstern und Türen mithilfe einer Gummidichtung sorgen häufig für eine schnelle Senkung des Energiebedarfs.

Falls doch auch eine kostenintensivere Maßnahme durchgeführt werden soll, bietet sich meist ein Fenstertausch zu modernen dreifach verglasten Wärmeschutzfenstern an. Diese Maßnahmen sorgen für eine Reduzierung der Vorlauftemperatur des Heizsystems.

 

Fazit: Planung schlägt Baujahr

Die Wärmepumpe im Altbau ist kein Mythos, sondern eine technische Lösung, die einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz im Gebäudesektor leisten kann. Sie ist der Schlüssel, um Bestandsgebäude zukunftsfähig zu machen und sich von fossilen Preissteigerungen unabhängig zu machen.

Der Einsatz einer Wärmepumpe benötigt jedoch eine sorgfältige Planung und Analyse im Vorfeld. Eine detaillierte Analyse der bestehenden thermischen Hülle und des Heizsystems sind dabei essenziell, um eine wirtschaftliche Implementierung der Wärmepumpe zu ermöglichen.

Häufig kann durch das Drehen an gezielten Stellschrauben ein sinnvoller Einsatz ermöglicht werden. Außerdem ist die Umrüstung zu einer Wärmepumpe aufgrund von hohen staatlichen Förderungen (oft bis zu 70 % über die KfW) heute so attraktiv wie nie zuvor. Warten Sie nicht auf den Totalausfall Ihrer alten Heizung. Wer heute klug plant, saniert nicht nur für das Klima, sondern auch für den Werterhalt seiner Immobilie.

Wir unterstützen Sie bei Ihrem Umstieg! Wir führen eine detaillierte Analyse Ihres Gebäudebestands durch und sorgen mithilfe einer Heizlastberechnung nach Norm für eine optimale Dimensionierung der Wärmepumpe. Mit dem Heizkörpercheck und dem hydraulischen Abgleich wird sichergestellt, dass ihre Wohnung auch bei kalten Wintertagen gemütlich warm wird. Zusätzlich führen wir eine Fördermittelbegleitung durch, um die maximalen staatlichen Zuschüsse zu sichern.


Experten-Tipp: Testen Sie es selbst! Stellen Sie an einem kalten Wintertag Ihre aktuelle Heizung auf maximal 50 bis 55 Grad Vorlauftemperatur ein und drehen Sie alle Heizkörper voll auf. Wird es überall gemütlich warm? Dann ist Ihr Haus bereit für die Wärmepumpe.

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